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Ein '''Kiosk''' (vor dem 18. Jahrhundert entlehnt über .

Ursprünglich war ein Kiosk ein nach mehreren Seiten geöffneter, freistehender Pavillon in Park- und Palastanlagen im islamischen Kulturraum. In der Fachsprache der Architektur und Landschaftsarchitektur hat der Begriff auch heute noch diese Bedeutung.

Der traditionelle Grundriss war oft polygonal oder viereckig mit mehreren Bogenöffnungen. Von Funktion und Form her bestehen mehr oder weniger enge Verwandtschaften zu einem Pavillon, einer Pergola oder einem orientalischen Zelt. ?Die meisten Gebäude waren einstöckig und hatten nur einen Raum; andere, etwas größere Bauten waren mit einem weiteren Stockwerk, mehreren Räumen, einer Säulenvorhalle oder rundum verlaufenden Arkaden ausgestattet.?

Begriffsgeschichte

Der Ursprung des Wortes Kiosk liegt im mittelpersischen ''k??k'', das in derselben Form und Bedeutung ins Neupersische () zusammenhängt.</ref> In der türkischen Sprache blieben beide Bedeutungen erhalten. Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Wort ins Französische übertragen und zu ''kiosque;'' von dort wurde es in andere europäische Sprachen und auch ins Deutsche übernommen.

Im 18. Jahrhundert war das Wort Kiosk in Deutschland schon bekannt, wurde aber nur mit der osmanischen Architektur in Verbindung gebracht. Laut Johann Georg Krünitz verstand man darunter ?ein Gebäude bey den Türken, welches in etlichen nicht gar zu hohen Säulen besteht, die also gesetzt sind, daß sie einen [?] Raum umgeben, der mit einem Zelt-Dache bedeckt [?] ist. Dergleichen Lust-Gebäude oder offener Säle bedienen sich die Türken in ihren Gärten und auf Anhöhen, die frische Luft und angenehme Aussicht zu genießen.? Der Begriff ?Lust-Gebäude? bezieht sich auf die Tätigkeit des Lustwandelns.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts verstand man im Deutschen darunter bereits Gartenpavillons, ?von welchen aus man den Anblick einer schönen Landschaft genießt [?], damit sie einigen Schutz gegen Wetter und Sonnenstrahlen und zugleich selbst einen freundlichen Anblick gewähren. Sie bestehen gewöhnlich aus einigen rohen Säulen von Baumstämmen, welche ein Dach von Stroh oder Holz tragen, und sind unten mit einem einfachen Geländer eingefaßt.?

Nach 1900 sind die Pavillons als Aussichtspunkte aus der Mode gekommen und der Begriff wird auf kleine Verkaufsbuden in den Städten übertragen.

Kulturgeschichte

Kioskartige Gebäude gibt es seit dem 13. Jahrhundert in Persien, Indien und im osmanischen Reich. Im Topkap?-Saray in Istanbul sind einige Beispiele erhalten (Çinili-Kiosk von 1466, Revan- und Bagdad-Kiosk von 1635, Kiosk des Kara Mustafa Pascha aus dem 18. Jahrhundert und Kiosk des Abd ül-Mejid von 1840). Die orientalischen Kioske waren wichtige Elemente der Gartenarchitektur und dienten den Wohlhabenden als Sommerhäuser in ihren Privatanlagen. Mit dem Ende des Osmanischen Reiches ging das Interesse an dieser Form der höfischen Architektur verloren.

Im Zuge der Vorliebe für den asiatisch-orientalischen Stil im 18. Jahrhundert gelangte die Bauform ??meist frei auf Säulen stehend und seitlich mit Gitterwerk verschlossen?? nach Europa als Teil der gestalteten Parkanlagen, die viele Herrscher anlegen ließen. Erwähnt werden sie zum ersten Mal in England.<ref name="naumann">Elisabeth Naumann, Kiosk, Marburg 2003</ref>

Beispiel für Kioskbauten gibt es auch in den Anlagen von Stanislaus?I., Herzog von Lothringen und Bar in Lunéville, und des französischen Königs Ludwigs?XV. Markante Beispiele in Deutschland sind u.?a. das 1755 begonnene Chinesische Haus in Potsdam wie auch die von Ludwig?II. von Bayern bei Schloss Linderhof oder im Wintergarten der Münchner Residenz erbauten.

Im 19. Jahrhundert hielt der Kiosk Einzug als Verkaufspavillon in die großen öffentlichen Parks von Paris, später auf die großen Boulevards. Zunächst wurden hier nur Zeitungen und Blumen verkauft, später auch Erfrischungen. Auch die Wortneuschöpfung ''Boulevardzeitung'' hat hier ihren Ursprung. Einige dieser berühmten Pariser ''Kiosques'' sind noch bis heute erhalten. In Griechenland leitet sich die Bezeichnung des Kiosks (Periptero) von der Tempel-Bauform Peripteros ab.

Im allgemeinen Sprachgebrauch wurde der ''Kiosk'' im Deutschen seit dem 19. Jahrhundert mit einem kleinen Verkaufsstand gleichgesetzt, an dem Tabakwaren, Süßigkeiten, Getränke, Zeitungen usw. verkauft werden. Im Ruhrgebiet und im Rheinland werden solche Kioske auch Trinkhalle genannt, im Rhein-Main-Gebiet Wasserhäuschen, andernorts Bude oder Büdchen. Die ältesten deutschen Verkaufskioske boten Getränke an, erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch Zeitungen.<ref name="naumann" /> Bekannt ist das denkmalgeschützte Magdeburger Sahneröschen.

Als Vater des Kioskgewerbes in der Schweiz gilt der Buchhändler Frédéric Zahn, der sich 1883 von den Kolporteuren inspirieren ließ und im Bahnhof Le Locle den ersten Schweizer Kiosk eröffnete. Diese boten im Anstellungsverhältnis der großen Tageszeitungen deren Ware im Handverkauf feil. Mit der zunehmenden Bedeutung des Bahnverkehrs fand der Berufsstand über Frankreich und Italien in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz Verbreitung. Zahn machte sich die Bewegung zu eigen, indem er am Bahnhof von Le Locle unter Zuhilfenahme eines Tisches Bücher und Zeitungen an die Pendler verkaufte. Damit legte er den Grundstein für die größte Kioskbetreiberin in Europa, die Valora-Gruppe mit beinahe 2000 Verkaufsstellen in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Luxemburg.

Obwohl heute vielfach mit dem Verkauf von Alkoholika verbunden, waren die frühen Kioske mit der Antialkoholbewegung verbunden. Das gilt einerseits für Mineralwasserhäuschen, die seit den 1840er Jahren mit Kohlensäure versetztes Wasser, später dann auch Limonaden oder Speiseeis verkauften. Anderseits entstanden seit der Jahrhundertwende hunderte von Milchhäuschen, zumal in der rheinisch-westfälischen Industrieregion. Der Zusammenbruch der Milchversorgung im und nach dem 1. Weltkrieg führte zu einer Ausweitung der Sortimente. Alkoholika wurden jedoch erst nach dem 2. Weltkrieg üblich.

In den 1950er Jahren baute die Firma Waldner insgesamt 50 Kioske in Fliegenpilzform, die ursprünglich zum Verkauf von Molkereiprodukten gedacht waren und auch exportiert wurden. Die heute noch existierenden Exemplare stehen inzwischen teilweise unter Denkmalschutz.

Gewerberecht

Das Betreiben eines Kiosks in Deutschland erfordert meist nur eine notwendig sein.

Altägyptischer Kiosk

In der altägyptischen Architektur werden auch Gebäude, die bei Prozessionen dem vorübergehenden Abstellen von Heiligtümern dienten, fachsprachlich ''Kiosk'' genannt (zum Beispiel der Kiosk Sesostris??I. in Karnak, auch Weiße Kapelle genannt).

Siehe auch

Literatur

  • Dieter Arnold: ''Lexikon der ägyptischen Baukunst'', Artemis & Winkler, Zürich 1997, ISBN 3-7608-1099-3
  • Dieter Arnold: ''Die Tempel Ägyptens: Götterwohnungen, Kultstätten, Baudenkmäler'', Artemis und Winkler, Zürich 1992, ISBN 3-86047-215-1
  • Hans Bonnet: ''Kiosk'', in: ''Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte'', Nikol, Hamburg 2000, S.?376, ISBN 3-937872-08-6.
  • Julia Franke, Clemens Niedenthal: ''Kioskkultur ? Der Ort. Die Dinge. Die Menschen'' Aschenbeck und Holstein, Delmenhorst 2004, ISBN 978-3-932292-69-9 (Zur Ausstellung ?KioskKultur - Der Ort. Die Dinge. Die Menschen?, Museen der Stadt Delmenhorst, 28. November 2004 bis 30. Januar 2005)
  • Elisabeth Naumann: ''Kiosk. Entdeckungen an einem alltäglichen Ort. Vom Lustpavillon zum kleinen Konsum'', Jonas, Marburg 2003, ISBN 3-89445-322-2 (Zugleich Dissertation an der Freien Universität Berlin 1999)
  • Uwe Ruprecht u.?a.: ''Kiosk ? ein beiläufiger Ort'', Schack, Dortmund / Parega, Düsseldorf 1997, ISBN 3-929983-07-9 (Schack) / ISBN 3-930450-28-3 (Parega) (= ''Archive das Alltags'', Band 7).
  • ''Denkmalgeschützte Kioske''. In: ZEITmagazin, Nr. 36/2016; aus der Serie ''Deutschlandkarte''.
  • . Interview mit der Autorin Sabine Werz. In: ''Stadtrevue Köln'', Nr. 3, 2006

Weblinks

Einzelnachweise